Bürglkopf: Wie Geflüchtete in den Alpen isoliert werden

© Jasmin Schwendinger

1.300 Meter Höhe. Tiroler Bergluft. Einsame Stille. Was eigentlich nach österreichischer Urlaubsidylle klingt, ist für die Menschen in der Geflüchteten-Unterkunft Bürglkopf ein Ort ohne Perspektive. Warum das Leben dort aussichtslos und menschenunwürdig ist, erfährst du hier. 

Isolation statt Integration: Warten ohne Ende am Bürglkopf

Das Leben am Bürglkopf war psychische Folter“, erinnert sich Sajad, ehemaliger Bewohner der Geflüchteten-Unterkunft hoch oben in den Tiroler Bergen. Zusammen mit rund 40 anderen Personen lebte er dort jahrelang unter menschenunwürdigen Bedingungen – weit weg von Familie, Gesellschaft und jeder Perspektive.

Während Tourist_innen bequem mit der Gondel den Gipfel erreichen, müssen die Geflüchteten stundenlang zu Fuß gehen – nur um ins nächste Dorf zu gelangen. Waseem aus Afghanistan versuchte, die Zeit am Bürglkopf trotz Isolation sinnvoll zu nutzen: Er suchte zweimal die Rechtsberatung im Dorf auf. Eigentlich steht sie den Geflüchteten zu. Doch bereits beim zweiten Mal wurde ihm gesagt, er solle nicht so oft kommen.

 

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Gefangen in den Bergen: Zum Nichtstun gezwungen

Obwohl die Kulisse beeindruckend ist, gibt es für die Geflüchteten in den Tiroler Bergen keine Beschäftigung: keine Arbeit, keine Internetverbindung, keine Menschen. Die einzige Möglichkeit, etwas zu tun, ist “gemeinnützige” Arbeit – für ein paar Euro die Stunde.

Langeweile ist kein Luxus, sondern eine psychische Belastung, die langfristig zu Depressionen und anderen Erkrankungen führen kann [1], [2]. Völlig ohne Beschäftigung und soziale Kontakte ist es vollkommen unmöglich, die Tiroler Berge zu genießen.


Filmtipp: Dokumentation “Bürglkopf” von Lisa Polster

> Jahr: 2025

> Länge: 78 Minuten

> Sprache: Arabisch, Dari, Deutsch, Englisch, Somali

> Inhalte: Drei Jahre lang dokumentiert Regisseurin Lisa Polster die Umstände in der Geflüchteten-Unterkunft Bürglkopf: Begegnungen, Gespräche, Rückschläge, Isolation und den widersprüchlichen Alltag zwischen der alpinen Idylle und menschenunwürdiger Realität.

> Auszeichnungen: Großer Diagonale-Preis 2025 (Bester Dokumentarfilm, Jugendjury)

Portrait der Regisseurin Lisa Polster, die eine Dokumentation über das menschenunwürdige Geflüchteten-Heim Bürglkopf drehte.

„Nach drei Jahren Dreharbeiten am Bürglkopf bin ich mir sicher: Der Ort dient der psychischen Zermürbung der Geflüchteten.“

– Lisa Polster, Regisseurin Bürglkopf


 

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Wortwahl: Warum wir von “Geflüchteten” und nicht von “Flüchtlingen” sprechen

Sprache beeinflusst, wie wir denken. Darum ist es wichtig, dass wir uns unsere Wortwahl genau überlegen. Es gibt viele Gründe, warum wir von “Geflüchteten” statt von “Flüchtlingen” sprechen:

> “Flüchtling” enthält die Nachsilbe “-ling”. Diese Nachsilbe verkleinert und wertet ab. Das zeigen unter anderem die Beispiele Feigling, Schmetterling, Schönling, Schreiberling und Frischling [3].

> Das Wort “Flüchtling” ist im Deutschen nur männlich – “die Flüchtling” gibt es nicht. Dadurch wird das Wort automatisch mit stereotypischen, männlichen Merkmalen verbunden [3].

> Die Beschreibung als “Flüchtlinge” reduziert Menschen allein auf ihre Flucht – sie zeigt aber nie die gesamte Komplexität der Fluchterfahrungen. Andere Begriffe, wie “Geflüchtete”, werden stärker mit „Menschsein“ verbunden [4].

Schließung des Bürglkopfs: Jetzt unterzeichnen!

So einen menschenunwürdigen Ort wie die Geflüchteten-Unterkunft Bürglkopf darf es weder in Österreich noch sonst wo geben. Deshalb hat die Regisseurin Lisa Polster auf mein.aufstehn.at eine Petition zur Schließung der Unterkunft gestartet. Unterzeichne auch du die Petition und setze dich für menschenwürdige Geflüchteten-Unterkünfte ein:

 

Quellen:
[1] Spaeth, M., Weichold, K., & Silbereisen, R. K., 2015: The development of leisure boredom in early adolescence: Predictors and longitudinal associations with delinquency and depression.
[2] International Journal of Epidemiology: Bored to death?
[3] SRF, 25. Februar 2016: Flüchtlinge oder Flüchtende? Sprache ist Politik
[4] Plan International, 15. Jänner 2023: Migration: Die Macht der Worte

Viola unterstützt das Team im Bereich Marketing und Presse – und sorgt dafür, dass möglichst viele Menschen von unseren Aktionen erfahren. Sie hat Digital Media Management studiert und zuvor u.a. in einem Ministerium und einer Agentur gearbeitet.