Mit ihrer online Petition auf mein.aufstehn.at hat die engagierte Juristin Didem Wenger einen wichtigen Anstoß für den Gewaltschutz in Oberösterreich gegeben – und am Ende einen politischen Durchbruch erreicht: Nach monatelangem Einsatz und mehr als 5.000 Unterstützer_innen soll eine Gewaltambulanz in Linz errichtet werden. Hier erzählt sie, warum das so wichtig ist.

„Ich sehe täglich, wie entscheidend Beweise sind – und wie oft sie fehlen.“
Ich bin Juristin und unterstütze von Gewalt betroffene Menschen im Strafverfahren. Ich weiß, wie schwer es ist, eine Gewalttat vor Gericht nachzuweisen – besonders dann, wenn Betroffene keine Möglichkeit hatten, sofort Beweise zu sichern. Immer wieder werden deshalb Verfahren eingestellt oder enden mit Freisprüchen.
Darum war für mich klar: Oberösterreich braucht eine Gewaltambulanz. Eine unabhängige, kostenlose und auf Wunsch anonyme Anlaufstelle, bei der Gewaltopfer medizinisch versorgt und Beweise gerichtsfest dokumentiert werden – unabhängig davon, ob sie sofort Anzeige erstatten möchten oder nicht. Eine solche Ambulanz gibt Betroffenen Zeit, Sicherheit und die notwendige medizinische Versorgung. Betroffene von häuslicher Gewalt oder Vergewaltigungen kennen die Täter zum Beispiel oft – aus Sorge, unmittelbar Anzeige erstatten zu müssen, vermeiden Sie es deshalb, zu einem Arzt oder einer Ärztin zu gehen. Die Gründe dafür können verschieden sein: Zum Beispiel haben sie nach einem so traumatischen Vorfall nicht die Kraft, vor Gericht zu ziehen oder sie haben Angst vor Ausgrenzung in ihrer Gemeinschaft.
Mit einer Gewaltambulanz können wir Beweise sofort sichern und so lange aufbewahren, bis Betroffene körperlich und seelisch in der Lage sind, eine Anzeige zu erstatten. Im Februar 2025 habe ich daher meine online Petition “Errichtung einer Gewaltambulanz in Oberösterreich” auf mein.aufstehn.at gestartet. Meine Forderung fand sofort breite Unterstützung: Mehr als 30 Einrichtungen – NGOs, Frauenberatungsstellen und Opferschutzeinrichtungen – aber auch viele engagierte Einzelpersonen haben die Petition mitgetragen.
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Politische Blockaden
Sehr schnell fand ich von politischen Parteien auf Landesebene Unterstützung. Im März stellten SPÖ und Grüne im Landtag einen Dringlichkeitsantrag zur Errichtung der Gewaltambulanz. Dieser wurde allerdings unter anderem von der zuständigen Frauenlandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) abgelehnt. Ihre Begründung: Das sei Bundessache und außerdem fehle ein gerichtsmedizinisches Institut in Oberösterreich. Diese Argumente konnte ich widerlegen. Eine Gewaltambulanz ist rechtlich sehr wohl Ländersache – und mit telemedizinischer Unterstützung sowie geschultem Fachpersonal auch ohne eigenem Institut realisierbar.
Am 8. März 2025, dem Internationalen Frauentag, übergab ich diese Recherchearbeit dem Land Oberösterreich. Außerdem überreichte ich die Forderung meiner online Petition, die mittlerweile von über 5.000 Menschen unterstützt wurde. Daraufhin sollte die Petition im Gesundheitsausschuss behandelt werden.
Ein schockierender Fall, der alles veränderte
Achtung: Im folgenden Absatz geht es um eine Vergewaltigung.
Frauenlandesrätin Haberlander argumentierte weiter, dass bestehende Krankenhäuser ausreichend Hilfe leisten würden. Doch ein Fall im April 2025 zeigte, wie dringend Veränderung notwendig war: Eine wohnungslose Frau wurde in Linz vergewaltigt. Sozialarbeiterinnen versuchten, ihr zu helfen und sie in einem Krankenhaus medizinisch versorgen zu lassen – doch trotz telefonischer Zusage wurden sie vom Krankenhauspersonal weggeschickt. Der Fall sei „nicht dringlich“. Für mich war klar: Es muss sich etwas ändern, dieses System funktioniert so nicht.
Deshalb organisierte ich für den 19. Mai 2025 gemeinsam mit Opferschutzeinrichtungen, Frauenberatungsstellen und unterstützenden Politiker_innen eine Pressekonferenz. Wir berichteten von weiteren anonymen Fällen – um zu zeigen: Das war kein Einzelfall.

Unmittelbar nach der Pressekonferenz kam die erfreuliche Nachricht: Die zuständige Landesrätin Christine Haberlander (ÖVP) gab den Auftrag zur Errichtung einer Gewaltambulanz in Oberösterreich. Ein riesiger Erfolg!
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Ein riesiger Erfolg für Gewaltschutz – wir bleiben dran
Um die Forderung weiter zu untermauern, habe ich gemeinsam mit dem #aufstehn-Team eine Umfrage unter Opferschutzeinrichtungen, Krankenhäusern und Beratungsstellen durchgeführt. Das Ergebnis: Rund 92 Prozent der Befragten sagen, dass es an ausreichenden Ressourcen für Gewaltschutz mangelt. Und fast 94 Prozent halten eine Gewaltambulanz in Oberösterreich für notwendig.
Ich begrüße die Entscheidung, die Ambulanz zu errichten – gemeinsam mit den Erstunterzeichner_innen und mit der Unterstützung von den engagierten Politiker_innen im Landtag werde ich den Prozess weiter genau beobachten. Wir bleiben dran, bis die Gewaltambulanz in Oberösterreich Realität ist.
Danke an alle, die sich der Forderung angeschlossen, die online Petition geteilt und sich eingesetzt haben. Ohne euch wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen!
Noch nicht unterschrieben? Du kannst Didems Forderung weiter unterstützen. Zeigen wir, wie wichtig die rasche Errichtung einer Gewaltambulanz in Oberösterreich ist.
Du hast wie Didem ein Thema, das dir unter den Nägeln brennt? Dann starte deine eigene Petition – das geht ganz einfach, wir unterstützen dich dabei!
Weitere Appelle, bei denen deine Stimme zählt:
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