Von legalen “Umpolungsmaßnahmen” bis zu Beleidigungen beim Arztbesuch: Queere Menschen in Österreich leiden tagtäglich unter Diskriminierung. Was die Regierung tun muss, um queere Menschen besser zu schützen, erfährst du hier.
Achtung: In diesem Beitrag geht es um Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und/oder Geschlechtsidentität und sexuelle Übergriffe.
Juni ist Pride Month. Unternehmen hängen Regenbogenfahnen ans Bürogebäude, tausende Menschen feiern bei der Wiener-Pride und Politiker_innen veröffentlichen Pressestatements zur Gleichberechtigung in Österreich. So weit, so gut. Was dabei aber gerne in den Hintergrund gerät: Queere Personen erleben in Österreich nach wie vor Diskriminierung. Und das jeden Tag.
Mehr Hate-Crimes, Diskriminierung im Alltag – was kann die Politik dagegen tun?
Die schlechte Nachricht ist: Rechtspopulistische Parteien versuchen die Diskriminierung von queeren Personen bereits seit Jahren salonfähig zu machen. So bezeichnet die FPÖ die queere Community z.B. als “abnormal” oder “links degeneriert” [1]. Damit einher geht, dass Hate Crimes aufgrund von sexueller Orientierung in der jüngsten Vergangenheit wieder steigen [2] – und queere Personen auch im Jahr 2026 noch Diskriminierung im Alltag erleben müssen.
Die gute Nachricht: Die österreichische Regierung hat jetzt die Möglichkeit, die queere Community in Österreich besser zu schützen und ihre Rechte abzusichern. Hier zwei Bereiche, wo sie jetzt handeln muss:
1. Queer-Sein ist keine Krankheit: Konversionsmaßnahmen verbieten
Unter Konversionsmaßnahmen versteht man “Umpolungsversuche”, die die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität von queeren Menschen verändern sollen. Selbsternannte “Heiler_innen” reden Betroffenen dabei ein, dass sie “falsch sind” und “geheilt” werden müssen. Zum Beispiel:
- Einen schwulen Mann von seiner Homosexualität “befreien” wollen.
- Einer trans Frau einreden, dass eine Maßnahme sie “zum Mann” macht.
- Eine lesbische Frau durch “korrektive” Vergewaltigung zu “heilen”.
Dabei ist queer zu sein selbstverständlich keine Krankheit.
Getarnt sind solche Konversionsmaßnahmen oft als “Coaching” oder „Seelsorge“ – sie schaden queeren Menschen, statt sie zu “heilen”: Viele Betroffene entwickeln dadurch Depressionen und sogar Suizidgedanken. Besonders betroffen von diesen Pseudo-Praktiken sind trans Personen – ihre Geschlechtsidentität unterscheidet sich von dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht.
Umso erschreckender ist: Im Gegensatz zu anderen Ländern wie Deutschland oder Malta sind Konversionsmaßnahmen außerhalb des medizinischen Bereichs in Österreich nicht verboten. Und das, obwohl sich die Regierung in ihrem Programm eigentlich schon auf ein umfassendes Verbot geeinigt hat. Doch die ÖVP blockiert. Mit einer Petition erhöhen wir den Druck auf die Regierung, endlich ein umfassendes Verbot umzusetzen. Mach auch du mit:

„Es ist absurd, dass die ÖVP ein umfassendes Verbot von Konversionsmaßnahmen blockiert – obwohl sie ein Regierungsprogramm unterschrieben hat, das genau das ankündigt. Mit der Petition wollen wir zeigen, wie viele Menschen sich für ein Gesetz aussprechen, das alle queeren Menschen vor diesen gewaltvollen Praktiken schützt, auch inter-, nicht-binäre und trans Personen.“
– Leonie Stein, Campaignerin bei #aufstehn
Warum wir von Konversionsmaßnahmen statt von Konversionstherapie sprechen
Im Zusammenhang mit den pseudowissenschaftlichen “Umpolungsversuchen” fällt häufig das Wort “Konversionstherapie”. Dabei ist der Begriff eigentlich falsch – denn eine Therapie durchzuführen, würde bedeuten, es gibt eine Krankheit zu heilen. Dabei ist der Begriff irreführend. Trans Männer sind Männer. Trans Frauen sind Frauen. Schwule sind schwul. Lesben sind lesbisch. Nicht-binäre Personen sind nicht-binär. Das sind keine Krankheiten, da gibt es nichts zu therapieren. Deshalb sprechen wir von Konversionsmaßnahmen. Queere Menschen sind gut so, wie sie sind.
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2. Alltägliche Diskriminierung stoppen: Recht auf Gleichbehandlung umsetzen
Ob im Klassenzimmer, beim Restaurant-Besuch oder im Krankenhaus: Nicht-heterosexuelle Menschen sind in Österreich von alltäglicher Diskriminierung betroffen – das geben über 70 Prozent (!) in einer #aufstehn-Umfrage an [3]. Am häufigsten berichten die nicht-heterosexuellen Teilnehmenden von Diskriminierung in der (Aus-)Bildung.

„Heterosexualität wird leider immer noch häufig als ‘Normalfall’ angesehen. Queerness wird dadurch als ‘Abweichung’ wahrgenommen. Das schafft einen Nährboden für Diskriminierung und ist einer der Gründe, warum die Benachteiligung von nicht-heterosexuellen Menschen im Bildungsbereich besonders hoch ist.“
– Leonie Stein, Campaignerin bei #aufstehn
Für die Betroffenen gibt es keinen umfassenden rechtlichen Schutz: In Österreich gilt zwar das Gleichbehandlungsgesetz (GIBG) – danach müssen Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung gleich behandelt werden. Das gilt allerdings nur in der Arbeitswelt. Im Alltag aber können nicht-heterosexuelle Menschen nach wie vor unfair behandelt und benachteiligt werden, ohne sich rechtlich dagegen wehren zu können.
Diese gesetzliche Lücke muss unbedingt geschlossen werden. Schließe dich unserer Forderung an und unterzeichne jetzt die Petition “Egal, auf wen du stehst – gleiche Behandlung für alle”:
Die Politik muss jetzt handeln
Dass queere Menschen selbst im Jahr 2026 noch immer nicht vor Diskriminierung geschützt sind oder durch Konversionsmaßnahmen traumatisiert werden dürfen, ist unfassbar. Umso wichtiger ist es, dass die Regierung jetzt handelt – und die Rechte queerer Menschen in Österreich absichert.
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Quellen:
[1] Der Standard, 11. März 2025: „Abnormal“ und „links degeneriert“: Wie die FPÖ gegen LGBTIQ wettert
[2] Bundesministerium für Inneres, Juli 2024: Lagebericht Hate Crime 2023
[3] Der Standard, 12.03.2026: Bundesstaatsanwaltschaft: Uneinigkeit über geplante Kontrolle durch Parlament


