Homosexualität austreiben oder jemandem ein anderes Geschlecht aufdrängen – klingt absurd, ist in Österreich aber Realität. Ein Verbot von sogenannten Konversionsmaßnahmen ist noch ausständig. Warum wir der ÖVP deswegen vor ihrer Parteizentrale Nachhilfe gegeben haben, wie lehrreich sie war und wie es jetzt weitergeht, erfährst du hier.
Achtung: In diesem Beitrag geht es um Gewalt gegen queere Menschen.
Wien, 23. Juni, 12:00 Uhr: Vor der ÖVP-Zentrale steht eine große Schultafel. Umringt von Regenbogenflaggen, bunten Schirmen und Kameras. Es beginnt eine Nachhilfestunde für die ÖVP: Mit Reden von Vertreter_innen der LGBTQIA+-Community und der Zivilgesellschaft erklären wir der Volkspartei deutlich, was für die meisten längst selbstverständlich ist: Queer sein ist keine Krankheit! Die ÖVP muss endlich ihre Hausaufgaben machen und das Verbot von Konversionsmaßnahmen nicht länger blockieren.
Was sind Konversionsmaßnahmen?
Unter Konversionsmaßnahmen versteht man “Umpolungsversuche”, die die sexuelle Orientierung oder die Geschlechtsidentität von queeren Menschen verändern sollen. Selbsternannte “Heiler_innen” reden Betroffenen dabei ein, dass sie “falsch sind” und “geheilt” werden müssen. Zum Beispiel:
- Einen schwulen Mann von seiner Homosexualität “befreien” wollen.
- Einer trans Frau einreden, dass eine Maßnahme sie “zum Mann” macht.
- Eine lesbische Frau durch “korrektive” Vergewaltigung zu “heilen”.
Diese Pseudo-Therapien funktionieren nicht – denn queer zu sein ist keine Krankheit, die man “heilen” kann oder muss. Und sie sind gefährlich: Viele Betroffene entwickeln dadurch Depressionen und sogar Suizidgedanken [1]. 3 von 10 queeren Menschen waren in Österreich bereits solchen “Umpolungs”-Versuchen ausgesetzt [2].
Warum die ÖVP Nachhilfe braucht
Grippe, Krätze und Gürtelrose sind Krankheiten. Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit nicht – das stellte auch die WHO klar. Konversionsmaßnahmen gehen aber davon aus, dass queer zu sein krank ist. Obwohl sie unwissenschaftlich und gefährlich sind, sind sie in Österreich außerhalb des medizinischen Bereichs legal und finden unter dem Deckmantel von “Coachings” oder “Seelsorge” statt [3]. Eigentlich hat sich die aktuelle Regierung in ihrem Programm schon auf ein umfassendes Verbot geeinigt. Doch die ÖVP blockiert noch. Sie möchte nicht, dass auch trans, inter und nicht-binäre Personen vor den gefährlichen Praktiken geschützt werden [3]. Dabei ist das umso wichtiger, denn trans Personen sind besonders oft betroffen [4].
Mit unserer Kundgebung haben wir die ÖVP gemeinsam mit Vertreter_innen der queeren Community an ihr Versprechen im Regierungsprogramm erinnert: Sie muss endlich ihre Hausaufgaben machen und zulassen, dass Konversionsmaßnahmen verboten werden.
Wie es jetzt weitergeht
Konversionsmaßnahmen müssen endlich verboten werden – und zwar für alle queeren Menschen. Unsere Nachhilfestunde für die ÖVP hat für Aufmerksamkeit gesorgt: Zahlreiche Medien wie Puls4 und ORF waren vor Ort und berichteten [5,6,7]. Das ist großartig. Denn öffentlicher Druck kann jetzt den Unterschied machen, um die Blockade-Haltung der ÖVP zu überwinden. Gerade laufen die Verhandlungen zu einem Verbot von Konversionsmaßnahmen. Um die Befürworter_innen des Verbots in den Verhandlungen zu stärken, machen wir klar, wie viele Menschen auf ihrer Seite stehen – mit Aktionen wie diesen, und unserer Petition. Hilf mit, Druck auf die Regierung zu machen und unterzeichne auch du für ein Verbot von Konversionsmaßnahmen!
Der Hass, dem LGBTQIA+-Personen in Österreich ausgesetzt sind, wird immer massiver. Umso wichtiger ist uns der Einsatz für die Rechte von queeren Menschen. Doch als gemeinnütziger Verein sind wir auf Spenden angewiesen. Damit wir uns tatkräftig weiter für queere Themen einsetzen können, bitten wir dich deshalb: Wenn du kannst, unterstütze uns mit einer monatlichen Spende!
Du interessierst dich für queere Themen? Dann könnten dir diese Beiträge auch gefallen:
- Gleiche Behandlung für alle? Wie Rechtsextreme Diskriminierung salonfähig machen möchten
- Diskriminierung von queeren Menschen in Österreich: Was die Politik jetzt dagegen tun muss
- Umfrage zu Diskriminierung: Wie nicht-heterosexuelle Menschen Benachteiligung erleben
Du kannst #aufstehn außerdem als präferierte Nachrichtenquelle auf Google hinzufügen – dann verpasst du keine News zu queeren Themen in Österreich.
Quellen:
[1] med.standford.edu, 01.07.2025: Conversion practices linked to depression, PTSD and suicide thoughts in LGBTQIA+ adults
[2] European Union Agency for Fundamental Rights, 14.05.2024: EU LGBTIQ survey IIILGBTIQ Equality at a Crossroads: Progress and Challenges. Country Data – Austria
[3] Der Standard, 04.07.2025: Warum Österreich noch immer nicht gesetzlich gegen “Homo-Heiler” vorgeht
[4] European Union Agency for Fundamental Rights, 2024: EU LGBTIQ survey III LGBTIQ Equality at a Crossroads: Progress and Challenges
[5] Krone, 23.06.2026: Aktivisten demonstrierten vor ÖVP-Zentrale
[6] ggg.at: Vor ÖVP-Zentrale: Queere Organisationen fordern Verbot von Konversionsmaßnahmen
[7] joyn.at: Treffpunkt Österreich zu MittagStaffel 2 Folge 174 streamen










