Nachdem im September, kurz vor Schulbeginn, in Oberösterreich 126 junge Flüchtlinge plötzlich erfahren hatten, dass sie die Schule nicht mehr besuchen dürfen, sind wir aktiv geworden: Fast 8.000 von uns haben Bildungsministerin Sonja Hammerschmid geschrieben und sie aufgefordert, sie wieder in die Schule gehen zu lassen.

Und unser Protest zeigt Wirkung: Kommendes Schuljahr soll es geflüchteten Jugendlichen nun wieder möglich sein, ein freiwilliges 10. Schuljahr zu machen.

Der Hintergrund: Viele jugendliche Flüchtlinge sind wegen ihrer mangelnden Deutschkenntnisse außerordentliche SchülerInnen. Als solche ist es ihnen nicht erlaubt das 10. Schuljahr zu besuchen, was vergangenen Herbst dazu führte, dass sie in verschiedenen Bundesländern, wie auch der Steiermark und Salzburg, aus dem Klassenverband gerissen wurden. Damit wird Jugendlichen die Chance auf weiterführende Bildung und Integration verweigert.

Darauf haben wir reagiert und mit unserer Forderung „Lassen Sie sie in die Schule gehen, Frau Ministerin!“ ganz schön was ins Rollen gebracht: Unser Protest verbreitete sich rasend schnell, die Medien berichteten und auch die Ministerin reagierte darauf: Sie versicherte uns, dass sie eine Gesetzesänderung prüfen will, um den betroffenen Jugendlichen den Schulbesuch wieder zu ermöglichen.

Wir sind drangeblieben und jetzt ist es soweit – das Ministerium hat uns mitgeteilt, dass das Gesetz nun geändert wird:

“Schülerinnen und Schüler, die eine Neue Mittelschule oder eine Polytechnische Schule im 9. Jahr als außerordentliche SchülerInnen besucht haben, können die Schule derzeit nicht in einem freiwilligen 10. Schuljahr besuchen. Das wird durch die Ergänzung des § 32 Abs. 2a des SchUG geändert und der freiwillige Besuch eines 10. Schuljahrs ermöglicht.

Dank unseres Engagements wird diese Änderung mit Anfang nächsten Schuljahres in Kraft treten – ein Erfolg für uns, aber vor allem für die Jugendlichen, die dadurch wieder die Schule besuchen können.

“Ganz wichtig ist, dass bereits jetzt Klarheit geschaffen wurde. Die psychische Belastung im Herbst des Vorjahres als viele Jugendliche aus den Klassen geholt und der Schule verwiesen wurde, war für die Betroffenen und ihren Angehörigen enorm. Weiters ist damit garantiert, dass Alle das Angebot in Anspruch nehmen können. Ganz wichtig ist, dass die SchülerInnen in ihrem (bisherigen) sozialen Umfeld die Schule besuchen können und nicht aus ihrem bisherigen Klassenumfeld herausgerissen werden! Auch wenn der Erfolg vielleicht angesichts der großen Herausforderungen klein erscheinen mag. Für die Betroffenen ist es ein Riesenerfolg und für uns als NGO ein Beweis, dass Proteste – jedenfalls ab und zu – zu einem positiven Ergebnis führen!”, sagt Christian Schörkhuber, Geschäftsführer der Volkshilfe OÖ, Flüchtlings- & MigrantInnenbetreuung.

 

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Quellen:
[1] DiePresse.com, 11.09.2016: Kein freiwilliges zehntes Schuljahr für Flüchtlinge
[2] DiePresse.com, 20.03.2017: Nach Wirbel doch ein Extra-Schuljahr für Flüchtlinge
[3] Aufstehn.at, 15.09.2016: “Lassen Sie sie in die Schule gehen, Frau Ministerin” – Was bisher geschah.

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Rosina (21) ist Praktikantin bei #aufstehn. Sie interessiert sich besonders für die Themen Umwelt-, Tierschutz und Gleichberechtigung.