Hunderte Menschen – darunter (ehemalige) ORF-Journalist_innen, Medienexpert_innen und #aufstehn-Engagierte – setzten ein Zeichen für einen unabhängigen ORF. Wie die Kundgebung ablief, warum die ORF-Wahl so wichtig ist und was es für einen Neustart braucht, kannst du hier nachlesen.
Wiener Ballhausplatz, 21. Mai, 17:00 Uhr. Nach und nach trudeln immer mehr Menschen ein. Schnell wird klar, warum sie alle hier sind. Dutzende Schilder mit Botschaften “Mei ORF is ned deppert” oder “Der ORF gehört uns” ragen in der Menge empor, die Botschaft der Demonstrant_innen ist klar: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Österreich muss unabhängig sein.
Was ist die ORF-Generaldirektor_innen-Wahl und warum ist sie so wichtig?
Der oder die Generaldirektor_in ist eine der mächtigsten Personen im ORF – und verantwortlich für Programm, Finanzen und Ausrichtung des größten Medienhauses Österreichs. Was du über die Generaldirektor_innen-Wahl wissen musst:
- Die Wahl findet spätestens alle fünf Jahre statt – in manchen Ausnahmefällen, wie einem Rücktritt des bestehenden Generaldirektors, aber auch schon früher.
- Generaldirektor_innen können unbegrenzt oft wiedergewählt werden.
- Bewerben können sich grundsätzlich alle Personen, die die Jobanforderungen erfüllen.
- Der ORF-Stiftungsrat ist für die Bestellung des oder der Generaldirektor_in zuständig – streng genommen ist es also keine Wahl, sondern eine Bestellung.
Was hat die Generaldirektor_innen-Wahl mit der Politik zu tun?
Eigentlich nichts – denn grundsätzlich sollte der Stiftungsrat politisch unabhängig sein. Das ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. In der Praxis haben Parteien und Regierung aber trotzdem großen Einfluss auf die Mitglieder des Stiftungsrates. Auch im Vorfeld der diesjährigen ORF-Wahl wurde schnell klar: Die Politik möchte sich mal wieder bei der Postenbesetzung des bzw. der ORF-Chef_in einmischen.
Dabei bräuchte der skandal-gebeutelte ORF dringend eine unabhängige Spitze. Die Generaldirektor_innen-Wahl ist die Chance für einen Neustart. Über 17.000 Menschen fordern bereits, dass diese fair und transparent abläuft – mit öffentlichen Hearings, bei denen Kandidat_innen ihre Ideen vorstellen und Fragen beantworten müssen. Der Druck zeigt bereits Wirkung: Mittlerweile wurde ein öffentliches Hearing für den 8. Juni angesetzt, das live auf ORF3 ausgestrahlt wird [1].
Doch ein einzelnes Hearing reicht noch lange nicht für echte Transparenz. Jetzt braucht es weiteren öffentlichen Druck, damit die ORF-Wahl wirklich frei von parteipolitischen Interessen abläuft.
Reporter ohne Grenzen, Presseclub Concordia, ehemalige ORF-Journalist_innen: Expert_innen warnen vor politischem Einfluss auf ORF-Wahl
Die Redebeiträge bei der Kundgebung machen ebenfalls klar, wie wichtig ein unabhängiger und starker ORF für unsere Demokratie ist
In allen Medien
Unsere Kundgebung hat es in alle großen österreichischen Medien geschafft – zahlreiche Tageszeitungen und Österreichs meistgesehene Nachrichtensendung, die Zeit im Bild, haben darüber berichtet [2, 3, 4, 5, 6]. Die eindrucksvollen Bilder vom Ballhausplatz zeigen: Wir Bürger_innen haben genug vom parteipolitischen Einfluss auf den ORF. Und sie geben einen klaren Handlungsauftrag an den Stiftungsrat, dass die Wahl dieses Mal fair abläuft – und nicht hinter verschlossenen Türen.

Wie es jetzt weitergeht
Mehrere Kandidat_innen haben sich bereits für den Spitzenposten beworben. Gleichzeitig gibt es tagtäglich Berichte darüber, dass sich Parteien weiterhin in die Wahl einmischen. Unsere Kundgebung am Ballhausplatz, die Petition aber auch der Protest zahlreicher ORF-Journalist_innen zeigen deutlich: So kann es nicht weitergehen. Der ORF gehört uns Bürger_innen – nicht Parteien oder Top-Managern.
Vor Ort stand auch ein ORF-Kummerkasten bereit. Zahlreiche Menschen haben dort ihre Wünsche, Sorgen und Forderungen an den Stiftungsrat eingeworfen – diese reichen von dem Verlangen nach mehr Unabhängigkeit, über den Wunsch nach echter Aufklärung der Missstände bis hin zur Forderung einer fairen ORF-Wahl. Bevor wir den Kummerkasten an den Stiftungsrat übergeben, kann jede_r noch online seine Wünsche einwerfen.
Mit einer fairen ORF-Wahl ist es nicht getan. Wenn wir sicherstellen wollen, dass sich die Politik ein für alle Mal aus dem ORF raushält, brauchen wir einen langen Atem. Als gemeinnütziger Verein ist unser Einsatz dafür aber nur möglich, wenn Menschen wie du unsere Arbeit unterstützen. Hilf #aufstehn jetzt mit einer monatlichen Spende!
Du interessierst dich für Medienpolitik? Hier findest du weitere Petitionen zu dem Thema:
Quellen:
[1] Der Standard, 13.05.2026: ORF plant öffentliches Hearing vor Generalswahl am 8. Juni live auf ORF 3
[2] Der Standard: Demo für unabhängigen ORF vor Kanzleramt in Wien
[3] on.orf.at: [Titel manuell eingeben]
[4] Krone, 21.05.2026: Kundgebung am Ballhausplatz: „Der ORF gehört uns!“
[5] Die Presse: [Titel manuell eingeben]
[6] Salzburger Nachrichten, 21.05.2026: Kundgebung in Wien fordert unabhängige ORF-Spitze













