FPÖ-Mythen: Wie du kontern kannst

Eigentlich sollten die Feiertage besinnlich und erholsam sein. Für viele von uns bedeuten Familienfeiern & Co aber auch, mit problematischen Aussagen konfrontiert zu sein. Das stellt uns oft vor die Entscheidung: Soll ich das ignorieren oder sag ich jetzt was darauf? In unserem Blog-Beitrag liefern wir dir Gesprächstipps und zeigen anhand gängiger FPÖ-Mythen beispielhaft wie du kontern kannst.

Gesprächstipps und Argumentationshilfen

Wenn ungute Aussagen etwa am Esstisch fallen, hat man auf die Schnelle oft keine Argumente parat oder gerät in unwohle Gesprächssituationen. 

Bevor du etwas entgegnest, überleg kurz, was du erreichen möchtest. Dabei spielt die Beziehung zur anderen Person eine Rolle: Je größer das Vertrauensverhältnis, desto leichter können wir die Person erreichen.

Am besten funktionieren Gespräche dann, wenn sie auf Augenhöhe sind. Beachte dabei:

  • zuhören und aussprechen lassen
  • Interesse zeigen und nachfragen
  • Empathie zeigen, aber auch einfordern
  • Gemeinsamkeiten finden, Alltag einfließen lassen (z.B. “Wie betrifft dich das konkret?”)
  • versuchen, bei einem Thema zu bleiben
  • Grenzen setzen (z.B. Gespräch abbrechen oder gehen) und durchatmen

Was es sonst noch zu beachten gibt: Springt dein Gegenüber von einem zum nächsten Thema oder provoziert dich gezielt? Falls die Person nur mit einfachen Lösungen kommt oder Probleme bei Minderheiten sieht, mach sie darauf aufmerksam.

In unerwarteten Diskussionen haben wir natürlich nicht immer Fakten zu allen Themen parat. In solchen Situationen kann es aber weiterhelfen, wenn du Gefühle sprechen lässt, persönliche Betroffenheit schilderst und Werte wie Solidarität oder Respekt vom Gegenüber einforderst.

All unsere Gesprächtipps Argumentationshilfen kannst du hier runterladen:

 

Quellenangaben zum Gesprächsleitfaden +

Wiener Zeitung, 04.03.2024: Kickl und die Frauen
Die Presse, 10.07.2023: Salzburgs „Herdprämie“ ist eine schlechte Nachricht für den…
Der Standard, 26.07.2018: Frauenprojekten in Österreich wird massiv das Budget gekürzt
Heute, 13.09.2021: Frauenhäuser sind für FPÖ „Ehezerstörer“
Kurier, 18.07.2012: FPÖ: „Frauenhäuser zerstören Ehen“
Die Presse, 17.02.2023: FPÖ stimmte gegen mehr Frauenrechte
ORF.at, 05.05.2023: „Vorbild für viele“: Kickl lobt Orban auf Gipfel der Rechten
tagesschau.de, 13.05.2024: OVG: AfD rechtmäßig als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft
Wiener Zeitung, 03.06.2024: FPÖ: Die Nein-Sager im EU-Parlament
Profil, 02.05.2024: „Oligarchen“ und Interventionen: Straches geheime Außenpolitik
ORF.at, 10.04.2024: FPÖ relativiert Freundschaftsvertrag mit Putin-Partei
Falter, 28.05.2024: Dokumente zeigen: Wie FPÖ-Mann Vilimsky in der EU Stimmung für Putin macht
Der Standard, 25.01.2018: Nur Einzelfälle? Die lange Liste rechter Ausrutscher
Der Standard, 21.01.2024: Ist der selbsterklärte Volkskanzler in Wahrheit ein Kanzler der Reichen?
Der Standard, 17.06.2024: Ein Jahr Schwarz-Blau in Salzburg: Haslauers Erbe, Svazek und der böse Wolf
spiegel.de, 27.05.2023: Wie Österreichs früherer FPÖ-Chef sich mutmaßlich sein Privatleben von der Partei finanzieren ließ – Podcast
Der Standard, 11.04.2024: Die berüchtigte Werbeagentur, die Kickl nicht loslässt
Der Standard, 04.09.2024: Kickl schickt sechsseitige „Leermeldung“ ans Parlament
Der Standard, 05.04.2019: Kitzmüller baut ihr Team um
Der Standard: Von Identitären-Demos ins FPÖ-Ministerium
Der Standard, 25.01.2018: Nur Einzelfälle? Die lange Liste rechter Ausrutscher – Koalition
Mauthausen Komitee Österreich: Broschüre „Lauter Einzelfälle? Die FPÖ und der Rechtsextremismus.“
Der Standard, 09.06.2021: Identitäre für Kickl „unterstützenswertes“ Projekt
Der Standard, 27.01.2024: Die engen Netzwerke von AfD, FPÖ und Identitären
Der Standard, 01.06.2024: Die 100 Einzelfälle, seit Herbert Kickl an der FPÖ-Spitze steht
Der Standard, 10.01.2024: Kickl will „Rechtslage“ für Entzug von Staatsbürgerschaft schaffen
Kurier, 27.06.2024: Faktencheck zu FPÖ-Hafeneckers Klima-Fake-News in der ZiB2
Der Standard, 13.11.2023: Lufthunderter auf Tauernautobahn und Inntalautobahn sind Geschichte
Der Standard, 06.10.2023: Nur die FPÖ ist für Tempo 150 auf Österreichs Autobahnen
Der Standard, 30.11.2023: Die Geschichte des Begriffs „Volkskanzler“: Von Hitler bis Kickl
Der Standard, 21.01.2024: „Systemparteien“, „Volksverrat“, „Ketten brechen“ – Kickl und die Sprache der Nazis
tagesanzeiger.ch, 25.01.2019: «Das Recht hat der Politik zu folgen und nicht die Politik dem Recht»
Heute, 02.05.2023: „Lügenpresse!“ FPÖ-Anhänger brüllen ORF-Reporter nieder
Kurier, 15.03.2024: Aufregung um Angriffe auf Journalisten bei FPÖ-Demo in Wien
Die Presse, 06.10.2023: FPÖ-Security zerrt ORF-Satiriker Peter Klien weg: „Art und Weise…
Vienna.at, 20.03.2023: Kritik an VP/FP-Abkommen: Deutschpflicht in Schulpausen
Der Standard, 16.02.2024: Kickl und die FPÖ machen Propaganda für Massendeportationen
Der Standard, 25.04.2024: „Kontext“-Studie: ÖVP und FPÖ als große Bremser in der Klimadebatte
Salzburg24.at, 10.02.2020: Herbert Kickl sieht „Unehrlichkeit“ in Justiz-Debatte
Kickl kritisiert VfGH | „Ich weiß nicht, ob dort das Los gezogen oder gewürfelt wird.“ FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl kritisiert den Verfassungsgerichtshof für die teilweise… | By Zeit im BildFacebook
ORF.at, 24.05.2019: „Ibiza-Video“: Kickl kritisiert die Justiz
Falter, 25.08.2023: „Es war ein Überfall“ – Ex-BVT-Chef Gridling spricht erstmals über Kickls Angriff auf den Verfassungsschutz
Der Standard, 11.01.2018: Kickl will Flüchtlinge „konzentriert“ an einem Ort halten

Mythos #1: “Asylwerber_innen bekommen so viel Geld in Österreich, dass sie nicht arbeiten müssen.”

Mit Fakten kontern

Asylwerber_innen dürfen in der Regel gar nicht arbeiten [1]. Das Geld, das sie bekommen, reicht nur, um Grundbedürfnisse wie Wohnen und Essen zu decken (es heißt nicht umsonst Grundversorgung) [2]. Wer’s nicht glaubt, sollte selbst mal versuchen, mit 260 Euro durch den Monat zu kommen [3]. 

Nachfragen & Interesse zeigen

  • Wie viel Geld bekommen sie denn genau?
  • Wo hast du das gehört?
  • Aha, darf man als Asylwerbende_r überhaupt arbeiten?

Gefühle sprechen lassen

  • Wie stellst du dir ein Leben vor, in dem du flüchten musst und nicht arbeiten darfst?
  • Wenn du selbst in Not wärst: Würdest du dir nicht auch wünschen, dass du zumindest ein Dach über den Kopf und genug zu essen hast?

Mythos #2: “Sozialbetrug ist ein Riesenproblem”

Mit Fakten kontern

Sozialbetrug ist kein großes Problem. Es gibt hier nur wenige Fälle, die den Staat nicht viel kosten [4]. Im Vergleich dazu verliert der Staat woanders sehr viel Geld, zum Beispiel Milliarden an Steuerhinterziehung oder Korruption [5, 6]. Während Sozialbetrug dem Staat 25 Millionen Euro kostet, beläuft sich der Schaden von Korruption auf ca. 15 Milliarden Euro.

Nachfragen & Interesse zeigen

  • Was genau meinst du mit Sozialbetrug?
  • Wie groß ist denn der Schaden durch Sozialbetrug?
  • Ich frage mich, wie oft das wirklich vorkommt, weil niemand bekommt einfach so Sozialleistungen?

Gefühle sprechen lassen

  • Wieso sollte man alle Sozialleistungsbezieher_innen unter Verdacht stellen?
  • Wenn du jeden Tag jeden Cent umdrehen musst: Stell dir vor, das ist dein Alltag.

Mythos #3: “Der ORF ist ein Staatsfunk”

Mit Fakten kontern

Der ORF genießt das höchste Vertrauen aller Medien in Österreich [7]. Das liegt daran, dass der ORF Mächtigen auf die Finger schaut und kritisch über sie berichtet, auch über die Regierung. Das geht nur, weil Journalist_innen weitgehend unabhängig arbeiten können, ohne dass sich die Politik einmischt. 

 Nachfragen und Interesse zeigen

  • Warum glaubst du das?
  • Was würde den ORF in deinen Augen unabhängig machen? 
  • Glaubst du, dass die FPÖ den ORF unabhängiger machen würde? Wie?

Differenzieren und Einordnen

Viktor Orban als Kickls Vorbild: Die FPÖ macht keinen Hehl daraus, dass sie den ORF nach ihrem Belieben “zurechtstutzen” möchte [8] – sobald sie an der Macht ist. Außerdem möchte sie den ORF aus dem Bundeshaushalt finanzieren [9]. Damit müsste der ORF jedes Jahr direkt mit dem Finanzminister das Budget verhandeln. So wäre der ORF stark von der Regierung abhängig. Das wäre dann wirklich ein Staatsfunk.

Dabei geht es der FPÖ nicht um unabhängige Berichte. Sie stellt seriöse Journalist_innen an den Pranger [10]. Stattdessen möchten sie wichtige Posten mit Parteitreuen besetzen [11]. Und obendrein würden sie am liebsten kritische Sender wie FM4 oder Ö3 wegstreichen [12]. 

Mythos 4: „Gewalt gegen Frauen ist ein importiertes Problem“

Mit Fakten kontern

Gewalt gegen Frauen ist kein Problem der Herkunft oder des Alters, es zieht sich durch die ganze Gesellschaft. Die Gemeinsamkeit bei allen Tätern ist, dass sie den Opfern nahestehen. Das zeigt sich auch in der Statistik zu 2025: Heuer waren alle 15 mutmaßlichen Femizid-Täter Männer aus dem nahen Umfeld der Opfer.

Differenzieren und Einordnen

Zur Herkunft der Täter gibt es derzeit keine statistische Erhebung. Dass bestimmte Gesellschaftsgruppen überrepräsentiert sind, kann aber viele Hintergründe haben. Zum Beispiel können prekäre Lebenssituationen die Abhängigkeit innerhalb einer Partnerschaft verstärken. Diskriminierung und Ausgrenzung können dazu führen, dass der Zugang zu Hilfsangeboten erschwert ist.

Die Herkunft als Erklärung für Femizide hinzustellen, verstärkt Stereotype und macht Gewalt von “einheimischen” Österreichern unsichtbar.

Persönliche Ebene und Gefühle sprechen lassen

  • Wenn ich über männliche Gewalt rede, ist das kein persönlicher Angriff gegen dich. Ich würde mir wünschen, dass mehr Männer das Problem anerkennen und sich gegen männliche Gewalt einsetzen, anstatt sich angegriffen zu fühlen.
  • Versetz dich in die Lage einer Frau, die von männlicher Gewalt betroffen ist – es bringt ihr nichts, wenn du die Herkunft des Täters ausforscht. Was viel wichtiger ist: dass du Betroffenen zuhörst und ihnen glaubst.

Auf euch schauen und weitersagen

Das sind nur einige Beispiele gängiger Mythen, die uns immer wieder begegnen. Gerade im nahen Umfeld können Gespräche aber wirklich ein Umdenken bewirken. Schaut dennoch auf eure Grenzen und beendet das Gespräch, wenn es euch zu viel ist. 

In den kommenden Tagen werden wir zu den einzelnen Mythen auch Videos hochladen – sowohl hier im Blog-Beitrag als auch auf unserem YouTube-Kanal und Instagram-Account. Was ihr sonst noch tun könnt: Teilt unseren Blog oder unsere Videos mit euren Freund_innen und Bekannten, damit auch sie leichter FPÖ-Mythen kontern können. 

Quellen:
[1] ams.at: Asylwerbende & Arbeit | AMS
[2] bmi.gv.at: Grundversorgung
[3] land-oberoesterreich.gv.at: Land Oberösterreich – Grundversorgung von Fremden (Asylwerbenden)
[4] ORF.at, 11.08.2025: Sozialleistungsbetrug: 23 Mio. Euro Schaden 2024 entdeckt
[5] Kleine Zeitung: Land Oberösterreich – Grundversorgung von Fremden (Asylwerbenden)
[6] Kurier, 15.12.2022: 15 Milliarden Euro Schaden durch Korruption in Österreich
[7] Der Standard, 17.06.2025: ORF und STANDARD bleiben Österreichs vertrauenswürdigste Medienmarken
[8] Der Standard, 13.10.2023: Rundfunkrechtler: Höchstrichter untersagen „Zurechtstutzen des ORF“
[9] diemedien.at: ORF-Beitrag
[10] Krone, 21.01.2025: Blauer Vilimsky vs. ORF: Posting sorgt für Wirbel
[11] ORF.at, 29.03.2024: Neue Chats: FPÖ hatte viele Personalwünsche im ORF
[12] Der Standard, 16.01.2025: FPÖ und ÖVP „wollen ORF schädigen und kürzen“, warnt Redaktionsrat

Dieser Blogbeitrag kommt vom #aufstehn-Team. Hin und wieder schreiben auch andere Engagierte oder Petitionstarter_innen Beiträge.