ORF-Wahl: Was sich Hunderte vom ORF wünschen

Machtmissbrauch, politischer Einfluss, fehlende Aufklärung: Die Skandale der letzten Monate haben schonungslos aufgezeigt, was im ORF schiefläuft. Wie ein Neustart für den ORF ausschauen kann und was sich hunderte Menschen wünschen, erfährst du hier:

Am 11. Juni entscheidet der ORF-Stiftungsrat über die nächste Generaldirektion des ORF. Auch heuer mischen Parteien mit, damit ihr_e Wunschkandidat_in den begehrten Chefsessel am Küniglberg bekommt. 

Dabei gerät eine Frage oft in den Hintergrund: Was wünschen sich eigentlich die Bürger_innen vom ORF? Genau das wollten wir wissen. Deshalb haben wir auf unserer Kundgebung einen “ORF-Kummerkasten” aufgestellt. Dort und auch online konnten Besucher_innen ihre Wünsche, Sorgen und Forderungen einsenden.

1. Politik raus aus dem ORF

Mit Abstand am häufigsten wurde ein Wunsch genannt: Der ORF soll unabhängig von parteipolitischer Einflussnahme arbeiten können. Forderungen wie „Politik raus aus dem ORF“, „Eignung statt Parteibuch“ oder „Der ORF gehört den Bürger_innen, nicht den Parteien“, waren besonders oft zu lesen. Ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk kann seine demokratische Rolle nur erfüllen, wenn er frei von parteipolitischen Interessen bleibt.

“Einen öffentlichen Rundfunk, der gänzlich unabhängig von der Politik ist. Keine Einflussnahme mehr durch politische Färbungen. Ein unabhängiges, wechselndes Gremium. Vielfalt in Kultur, Unterhaltung und unabhängigen Nachrichten.“

 

2. Der Stiftungsrat muss reformiert werden

Eng damit verbunden ist die Kritik am Stiftungsrat. Statt “politischen Freundeskreisen” müssen unabhängige Expert_innen in das wichtigste Gremium. Außerdem entscheidend: Transparente Entscheidungsprozesse und eine deutlich stärkere Distanz zu politischen Parteien.

“Ich ersuche dringend, sämtliche Parteipolitiker_innen und damit verbundene parteipolitische Interessen aus dem Stiftungsrat und Freundeskreis zu eliminieren. Der ORF darf nicht zur Parteispielwiese oder gar -sprachrohr verkommen! Er gehört uns freien Bürgerinnen und Bürgern Österreichs!”

3. Eine faire und transparente ORF-Wahl

Zahlreiche Einsendungen fordern eine Wahl, bei der nicht politische Nähe, sondern fachliche Qualifikation entscheidet. Was es dazu braucht: Transparente Kriterien, öffentliche Hearings oder eine geheime Wahl. So soll die beste Person den Job bekommen – nicht die politisch am besten vernetzte.

“Schluss mit den "Wahlvorschlägen" der Parteien! Der ORF braucht keine Parteienvertreter_innen im Aufsichtsrat und schon gar keine Pflichtvorschläge für den/die Generaldirektor_in! Eignung und Sachkenntnis vor Parteibuch!”

4. Qualitätsjournalismus ist wichtiger denn je

Neben den Strukturfragen wurde auch deutlich, welchen ORF sich viele Menschen inhaltlich wünschen. Immer wieder genannt wurden unabhängiger Journalismus, faktenbasierte Berichterstattung und mehr investigative Recherchen. Gerade in Zeiten von Desinformation, KI-Inhalten und gezielten Falschmeldungen erfüllt der ORF eine wichtige Funktion in unserer Demokratie.

“Ich erhoffe mir vom ORF eine faire und ausgewogene Information, bei der nach Möglichkeit alle Sichtweisen einfließen können und die frei von politischer Einflussnahme, von welcher Seite auch immer, ist.”

5. Mehr Transparenz, Aufklärung und Verantwortung

Zahlreiche Teilnehmer_innen wünschen sich mehr Transparenz bei Gehältern und Personalentscheidungen sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit den Geldern aus der Haushaltsabgabe. Außerdem fordern auch viele Menschen die vollständige Aufklärung der jüngsten ORF-Skandale und Konsequenzen für Fehlverhalten. Vertrauen kann nur entstehen, wenn Missstände offen aufgearbeitet werden. 

“Komplette Aufklärung der Geschehnisse der Vergangenheit, keinen politischen Günstling und keinen Konzern-Günstling!! Der ORF gehört uns allen! Auch in den Stiftungsrat gehören keine ehemaligen Politiker_innen, sondern verdiente ORF Mitarbeiter_innen (auch ehemalige), die wissen wovon sie reden.”

Eine Botschaft zieht sich durch alle Antworten

Natürlich gab es auch viele weitere Wünsche: mehr Kultur, mehr Bildungsangebote oder Barrierefreiheit. Doch über allem steht eine Forderung, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Kummerbox zieht:

Wir Bürger_innen wollen einen ORF, der unabhängig ist. Einen ORF, der seiner demokratischen Verantwortung gerecht wird. Einen ORF, der den Bürger_innen verpflichtet ist – nicht den Parteien.

Unser Einsatz für einen unabhängigen ORF

Über 30.000 Menschen fordern die Regierung auf, den parteipolitischen Einfluss auf den ORF zu verringern – und ihn so vor politischen Angriffen abzusichern. Hier kannst du die Petition “Raus mit der Politik aus dem ORF” unterzeichnen:

 

Die ORF-Skandale und der anhaltende parteipolitische Einfluss auf wichtige Personalentscheidungen haben das Vertrauen vieler Menschen erschüttert. Die Petition “Der ORF gehört uns” setzt sich deshalb für eine transparente und faire Bestellung der nächsten ORF-Spitze am 11. Juni 2026 ein. 

 

Mit einer fairen ORF-Wahl ist es nicht getan. Wenn wir sicherstellen wollen, dass sich die Politik ein für alle Mal aus dem ORF raushält, müssen wir auch in den kommenden Monaten genau hinschauen. Als gemeinnütziger Verein ist unser Einsatz dafür aber nur möglich, wenn Menschen wie du unsere Arbeit unterstützen. Hilf #aufstehn jetzt mit einer monatlichen Spende!

Du möchtest keine Neuigkeiten zu den Themen ORF und Medien in Österreich mehr verpassen? Dann füge #aufstehn jetzt als deine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google hinzu:
Christian ist Senior Campaigner bei #aufstehn. Er plant und setzt Kampagnen um. Außerdem absolviert er gerade das Masterstudium "Zeitgeschichte und Medien". Als ehemaliger Tutor beschäftigt er sich seit Jahren mit Politik, Medien und Öffentlichkeit – am liebsten aus historischer Perspektive.