Rassismus in Österreich: Darum ist der Black History Month so wichtig

Im Februar ist Black History Month. Die Geschichte dahinter, warum der Monat so wichtig ist und was du gegen Rassismus tun kannst, erfährst du hier.

Wie ist der Black History Month entstanden?

Der Black History Month kommt aus den USA. 1926 rief der US-afroamerikanische Historiker Carter G. Woodson die Black History Week ins Leben. Das Ziel: Auf die Marginalisierung – also die Verdrängung – Schwarzer* Geschichte in den USA aufmerksam machen [1].

Dass die Black History Week schon damals im Februar stattfand, ist kein Zufall: In dem Monat wurden der ehemalige US-Präsident Abraham Lincoln und der Bürgerrechtsaktivist und Schriftsteller Frederick Douglass geboren. Beide spielten eine wichtige Rolle bei der Abschaffung der Sklaverei in den USA. Ab 1976 wurde aus der Black History Week dann offiziell ein ganzer Monat [1].

Schwarze Geschichte in Österreich reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Angelo Soliman war der erste nicht-europäische Mensch in Wien, dessen Geschichte ausreichend dokumentiert ist. Im 18. Jahrhundert wurde er als versklavte Person von Afrika nach Österreich gebracht – wo er auch mit dem Kaiser verkehrte. Durch die Hochzeit mit einer Österreicherin, erlangte er zwar die Freiheit, nach seinem Tod wurde sein Körper dennoch ausgestopft, rassistisch inszeniert und zur Schau gestellt – gegen den Willen seiner Tochter Josephine. Sie setzte sich daraufhin als junge Afroösterreicherin jahrelang für die Menschenwürde ein [2].

Inzwischen steht der Februar auch in Österreich schon seit einigen Jahren im Zeichen Schwarzer Kultur, Schwarzer Geschichte und den dahinterstehenden Menschen. Und das ist wichtig – denn Rassismus ist in Österreich nach wie vor ein großes Problem.

 

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*In diesem Text wird “Schwarz” großgeschrieben. Das soll verdeutlichen: Der Begriff ist keine echte “Eigenschaft”, die auf die Farbe der Haut zurückzuführen ist. Stattdessen bezieht er sich auf die Erfahrungen, die Schwarze Menschen in einem rassistisch sozialisierten Umfeld machen müssen. Es handelt sich um eine Selbstbezeichnung, die aus dem Widerstand heraus entstanden ist [9].


Tipps für einen rassismuskritischen Alltag aus „exit RACISM“ von Tupoka Ogette

  1. Informiere dich über Rassismus und Diskriminierungsformen (z.B. mit Büchern, Podcasts, Dokumentationen)
  2. Sprich nicht für, sondern mit Schwarzen Menschen über ihre Erfahrungen
  3. Schau nicht weg und sprich Rassismus an
  4. Nutze deine Privilegien und Ressourcen dafür, Raum für Schwarze Menschen zu schaffen
  5. Wechsle nicht das Thema, wenn Rassismus Unwohlsein in dir auslöst, sondern lerne mit dem Gefühl umzugehen

Allgemein gilt: Höre Schwarzen Menschen zu, wenn sie von Rassismuserfahrungen berichten – nicht um etwas zu entgegnen, sondern um zu verstehen, was Rassismus bei ihnen auslöst.


Rassismus in Österreich steigt wieder

Rassismus gegen Schwarze Personen hat in den letzten Jahren in Österreich wieder zugenommen. 72 Prozent fühlen sich aufgrund ihrer Hautfarbe benachteiligt [3]. Die Diskriminierung zeigt sich in allen Lebensbereichen, unter anderem

  • im Alltag (“Woher kommst du wirklich?”)
  • bei Polizeikontrollen (Schwarze Personen werden häufiger kontrolliert) [4]
  • bei rassistisch motivierten Straftaten [5]

Es ist unfassbar, dass Schwarze Menschen auch im Jahr 2026 noch immer mit Rassismus konfrontiert sind. Umso wichtiger ist der Black History Month – denn es muss sich dringend etwas ändern.

 

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So gefährlich ist die FPÖ für Schwarze Personen

Rechtsextreme hetzen seit Jahren gegen Schwarze Personen:

  • Ein FPÖ-Gemeinderat verbreitet in einem Blog rassistische Bilder [6].
  • Der Tiroler-FPÖ-Chef postet ein Video, in dem er Rassismus verherrlicht [6].
  • Ein FPÖ-Stadtrat verwendet das N-Wort [6].
  • Ein FPÖ-Mitarbeiter postet anlässlich des Vienna City Marathons rassistische Instagram-Storys [6].

Das ist menschenverachtend, ekelhaft und: Gefährlich. Denn wenn Menschen mit Reichweite rassistisches Gedankengut verbreiten, wird dieses normalisiert. Das zeigen auch die Zahlen: Statt zu sinken, steigen rassistische Vorfälle in Österreich in den letzten Jahren im Schnitt [3]. Es liegt an uns allen, hier dagegen zu halten, Zivilcourage zu zeigen und uns für Betroffene einzusetzen.

3 Gründe, warum der Black History Month so wichtig ist

  1. Verdrängte Geschichten sichtbar machen
    Ob in Geschichtsbüchern, Museen oder im Schulunterricht: Auch im Jahr 2026 fehlen Schwarze Perspektiven in der Geschichte. Hierzulande lernen Schüler_innen über die österreichische Kolonialgeschichte nichts [7]. Im Black History Month liegt deshalb ein besonderer Fokus auf Schwarzer Geschichte.
  2. Raum in der Öffentlichkeit schaffen
    Viele Schwarze Kulturschaffende sind in Österreich weithin unbekannt. Das liegt vor allem daran, dass Schwarzer Kunst in der Vergangenheit häufig kein öffentlicher Raum gegeben wurde. Auch in den Medien sind Schwarze Personen oft unterrepräsentiert. Das hat sich in den letzten Jahren, vor allem aufgrund der Black Lives Matter-Bewegung, etwas geändert [8]. Der Black History Month bietet Anlass, Schwarze Perspektiven bewusster in den Fokus zu rücken und Leistungen von Schwarzen Menschen zu feiern.
  3. Bewusstsein stärken
    Der Black History Month macht auf strukturelle Probleme aufmerksam. Zum Beispiel ist es für Schwarze Personen schwieriger, eine Wohnung oder einen Job zu bekommen. Solche Erfahrungen mit Rassismus sind für tausende Schwarze Personen in Österreich alltäglich. Umso wichtiger ist es, dass sich – vor allem – weiße Menschen darüber informieren, mit Betroffenen sprechen und Vorurteile abbauen [1].

Rund um den Black History Month 2026: Events in Wien

Um Rassismus zu bekämpfen, ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, Zusammenhänge zu verstehen und Aufmerksamkeit zu schaffen. Hier findest du einige Events rund um den Black History Month in Wien:

  • Kick-Off Black History Month Austria
    29. Jänner (19:00 bis 20:30 Uhr)
    Hauptbücherei Wien (Urban Loritz Platz 2a, 1070 Wien)
    Mehr Infos: Black Austria Info
  • Deep Dive: BIPOC-Fotograf*innen in der Fotosammlung im Mittelpunkt (Führung von Hanin Hannouch)
    10. Februar (ab 18:30 Uhr)
    Weltmuseum (Heldenplatz, 1010 Wien)
    Mehr Infos: Weltmuseum
  • Ein Bild von Afrika „made in Europe“ (Workshop)
    27. Februar (15:00 Uhr)
    Weltmuseum (Heldenplatz, 1010 Wien)
    Mehr Infos: Weltmuseum
  • EBONY 2026 – A Night of Kings & Queens
    7. März (ab 18:00 Uhr)
    Palais Niederösterreich (Herrengasse 13, 1010 Wien)
    Mehr Infos: Diaspora Creatives

Der Black History Month ist wichtig, weil Rassismus immer noch tief in unserer Gesellschaft verankert ist – und in den letzten Jahren sogar wieder gestiegen ist. Deshalb müssen wir uns aktiv mit Schwarzen Geschichten auseinandersetzen. Nicht nur im Februar, sondern an 365 Tagen im Jahr (bzw. an 366 in Schaltjahren).

Rassismus in Österreich: Informiere dich

Zum Beispiel indem du diesen Accounts auf Instagram folgst:

Weitere Beiträge und Petitionen zu ähnlichen Themen:

Quellen:
[1] Deutschlandfunk, 1. August 2024: Black History Month: Schwarze Geschichte sichtbar machen
[2] Der Standard, 22. Jänner 2007: Die verborgene Geschichte unserer Stadt
[3] ORF, 25. Oktober 2023: Rassismus in Österreich stark gestiegen
[4] Tagesschau, 9. September 2024: Polizei-Routinen begünstigen Diskriminierung
[5] Kontrast, 11. September 2025: Rechtsextreme Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um über 40 % gestiegen
[6] Kontrast, 5. Mai 2025: Schon wieder ein „Einzelfall“: Über 100 Mal Rechtsextremismus und Rassismus in der FPÖ
[7] Wiener Zeitung, 15. Februar 2025: Österreichs Kolonialismus kommt nicht zum Geschichtetest
[8] Der Standard, 26. Februar 2022: Kein Hype, eine Korrektur: Junge afrikanische Gegenwartskunst
[9] OEW Plus: Tupoka Ogette: Exit Racism

Viola unterstützt das Team im Bereich Marketing und Presse – und sorgt dafür, dass möglichst viele Menschen von unseren Aktionen erfahren. Sie hat Digital Media Management studiert und zuvor u.a. in einem Ministerium und einer Agentur gearbeitet.