Warum das Lueger-Denkmal weg muss.

Karl Lueger war ein Antisemit. Antisemit_innen sind Personen, die gegen Jüdinnen und Juden hetzen. [1] Für uns ist klar: Antisemit_innen verdienen keine Denkmäler. Mit diesem Satz ist eigentlich schon das Wichtigste gesagt.

Nichtsdestotrotz haben uns in den vergangenen Tagen viele Fragen, Kommentare und Rückmeldungen erreicht. Deshalb haben wir hier noch einmal die wichtigsten Gründe gesammelt, warum das Karl Lueger-Denkmal in Wien, so wie es jetzt gerade ist, weg muss:

1.Jüdinnen und Juden sagen, dass es antisemitisch ist. 

Nicht wir, sondern Betroffene entscheiden, was sie als verletzend oder diskriminierend empfinden. Immer mehr jüdische Organisationen sprechen sich dafür aus, dass das Denkmal entfernt wird. Die jüdischen Österreichischen Hochschüler_innen haben auch auf mein #aufstehn die Petition „Lueger Denkmal abreißen!”  mit folgender Begründung gestartet:

“Heutzutage ist Wien eine großartige Stadt für seine Jüdische Gemeinde, doch damit dies so bleibt, müssen antisemitische Kontinuitäten weiter aufgelöst werden. In Wien steht an einem zentralen Ort das Denkmal eines Anhängers einer mörderischen Ideologie und eines der wichtigsten Vorbilder Hitlers. Es ist von enormer Bedeutung, dass Wien sich weiter mit seiner Vergangenheit beschäftigt und diese vollständig aufarbeitet. Einen der bedeutendsten Judenhassers der Geschichte Wiens mit einem meterhohen Denkmal zu zeleberieren, ist allerdings eher eine Verhöhnung der Opfer, als ein Beitrag zur Aufarbeitung!”

Danke an alle die gestern zu unserer Kunstinstallation „Lueger links liegen lassen“ gekommen sind und (mit uns) ein…

Gepostet von Jüdische österreichische HochschülerInnen am Donnerstag, 8. Oktober 2020

 

2. Nur Karl Lueger den Bürgermeister gibt es nicht.

Ja, Karl Lueger war mal Bürgermeister von Wien, aber er war auch Antisemit. Diese beiden Personen voneinander zu trennen, ist unmöglich. Karl Lueger, der Antisemit hat ihn erst zu Karl Lueger, den Bürgermeister gemacht. [2] Diesen fundamentalen Fakt auszublenden und ihn für seine Taten als Bürgermeister zu preisen, ist so, als würde man sagen: “Hitler war auch nicht schlecht – er hat ja Autobahnen gebaut.” Auch zu behaupten, dass er “halt ein Opfer seiner Zeit” war, verharmlost seine antisemitische Politik. Er war nicht irgendwer, sondern der Begründer des politischen Antisemitismus. [3]  Solche Personen können wir nicht ganze Plätze in unserer Hauptstadt einnehmen lassen und sie auf meterhohe Podeste stellen, um sie zu ehren. 

 

3.Eine Gedenktafel verhindert keine Pilgerstätte für Rechtsextreme 

“Wenn es so schlimm ist, dann soll halt eine Gedenktafel dran.” Hier ist der springende Punkt:  Die gibt es schon. Und trotzdem ist die Statue nach wie vor eine Pilgerstätte für gewaltbereite Rechtsextreme. [4] Die fühlen sich durch die Präsenz der Statue in ihrem Denken so sehr bestätigt, dass sie einfach am hellichten Tag Kunstinstallationen gegen Antisemitismus stören. [5] Das ist eine erschreckende Entwicklung, aber kein Wunder. Wenn wir als Gesellschaft es nicht schaffen, Antisemit_innen jeden Platz zu nehmen (und damit auch ihren Gedenkstätten) dann haben sie das Gefühl, dass sie akzeptiert werden. 

4.Wir schreiben gerade das nächste Kapitel unserer Geschichte.

“Wenn die Statue wegkommt, dann löschen wir die Geschichte aus”, denken manche. Unsere Antwort: Nein, tun wir nicht. Wenn wir sie entfernen oder umgestalten beweisen wir, dass wir aus der Geschichte gelernt haben. Denn jetzt gerade sind wir dabei, die nächsten Seite unserer gemeinsamen Geschichte zu schreiben. In dieser Geschichte ist kein Platz für Statuen von Antisemit_innen, die nicht ausreichend kontextualisiert sind. Und genau das ist sie gerade nicht, wie bei Punkt 3 beschrieben.

 

Kurz zusammengefasst: Die Statue von Karl-Lueger kann nicht so bleiben, wie sie gerade ist. Außerdem wollen wir aus der Geschichte solcher Denkmäler lernen und in der Gegenwart die richtigen Schlüsse aus ihrem Entstehen ziehen. Deshalb haben wir als #aufstehn eine Aktion gestartet, damit dem Karl Lueger-Denkmal sein Denkmalschutz aberkannt wird. Erst dann können Änderungen an diesem vorgenommen werden – sei es sie zu entfernen oder ein Mahnmal daraus zu machen. Damit das klappt müssen wir aber die zuständige Behörde – das Bundesdenkmalamt – davon überzeugen, dass es nicht in unserem Interesse ist, dass das Denkmal länger so bleibt, wie es jetzt gerade ist! Schreib jetzt ein Mail ans Bundesdenkmalamthier klicken.

 

Quellen:
[1] holocaustremembrance.com: Arbeitsdefinition von Antisemitismus
[2] sciencev2.orf.at: Karl Lueger, ein verdienstvoller Antisemit – science.ORF.at
[3] Der Standard, 07.03.2020: Dr. Karl Lueger: Der Antisemit und seine öffentlichen Plätze
[4] wien.orf.at: Zusatztafel für Karl-Lueger-Denkmal
[5] wien.orf.at, 05.10.2020: „Schandwache“ bei Lueger-Denkmal gestört

Als Campaignerin bei #aufstehn plant Jasmin öffentlichkeitswirksame und schlagkräftige Kampagnen. Erfahrung in der Kampagnenarbeit hat sie in der Österreichischen Hochschüler_innenschaft und in der Schüler_innenvertretung gesammelt, insbesondere im bildungspolitischen Bereich.