Jede dritte Frau in Österreich ist von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Alle drei Wochen tötet hierzulande ein Mann eine Frau [1]. Damit bildet Österreich die traurige EU-Spitze [2]. Was jede_r Einzelne gegen männliche Gewalt an Frauen tun kann, erfährst du hier.
Achtung: In diesem Text geht es um (sexualisierte) Gewalt.
“Lächel doch mal!”. “War doch bloß ein Scherz”. Männergewalt gegen Frauen beginnt schon bei aufdringlichem Verhalten oder herablassenden Kommentaren. Im schlimmsten Fall endet sie in einem Femizid – also der Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. In Österreich ist die Anzahl an Femiziden besonders hoch [3].
Deshalb muss die Regierung so schnell wie möglich wirksame Maßnahmen gegen männliche Gewalt umsetzen. Aber auch Einzelpersonen können einen Unterschied machen. Ob Petitionen unterzeichnen, weiterbilden, selbst einschreiten – was du gegen Gewalt an Frauen tun kannst, erfährst du hier:
1: Unterzeichne unseren Gewaltschutz-Appell+
Aufklärung, geschultes Personal bei Polizei und Justiz sowie ausreichend Anlaufstellen für Gewaltbetroffene: Gemeinsam mit fast 60.000 Unterstützer_innen fordern wir in unserer Gewaltschutz-Petition eine Gesamtstrategie, die Männergewalt gegen Frauen längerfristig verhindert.
Aktuell hat die Regierung einen Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen vorgestellt. Damit sie für die Umsetzung genug Mittel in die Hand nehmen, unterzeichne jetzt unsere Petition, um Druck auf die Entscheidungsträger_innen auszuüben:
2: Schreite ein und verhindere Gewalt+
Ob Catcalling, ungefragte Dickpics oder aufdringliches Verhalten: Sag etwas und schreite ein, wenn du Zeug_in von Gewalt wirst. Zivilcourage gegen Gewalt an Frauen zu zeigen, kann Betroffenen enorm helfen. Hier ein paar Tipps:
- Gemeinsam einschreiten: Ermutige andere Menschen vor Ort, Zivilcourage zu zeigen.
- Immer die Betroffene ansprechen, nie den Täter – z.B. indem du vorgibst, die Betroffene zu kennen oder sie nach dem Weg fragst.
- Sicher handeln und Abstand halten – damit du dich auf keinen Fall selbst in Gefahr begibst.
- Täter beobachten und bei der Polizei melden – versuche, dir das Gesicht und die Kleidung des Täters zu merken [3].
Du hörst Gewalt bei deinen Nachbar_innen? Dann schau dir den Aushang der Initiative StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt an. Dort findest du Tipps, was du gegen häusliche Gewalt tun kannst. Lade den Aushang jetzt runter und hänge ihn in deinem Stiegenhaus auf oder verteile ihn in der Nachbarschaft.
Welche Gewaltarten gibt es?
Psychische Gewalt
- Andauerndes Verhalten, das die psychische Gesundheit der Betroffenen massiv einschränkt
- Beispiele: Lächerlich Machen, Demütigungen, Bedrohungen, Beschimpfungen
Finanzielle Gewalt
- Ausnutzen von finanziellen Ungleichheiten
- Beispiele: Betroffene werden finanziell abhängig gemacht, Verbot eines eigenen Kontos
Stalking
- Wiederholte Verfolgung der Betroffenen
- Beispiele: Unerwünschte Anrufe, Nachrichten, “Abpassen”, Bedrohungen bis hin zu körperlicher Gewalt
Sexualisierte Gewalt
- Sexuelle Handlungen gegen den Willen der Betroffenen
- Beispiele: Sexuelle Belästigung, Missbrauch von Machtverhältnissen, Zwang und Überreden zu sexuellen Handlungen
Körperliche Gewalt
- Misshandlungen und körperliche Übergriffe
- Beispiele: Reißen der Haare, Schläge, Stöße, Tritte bis hin zu Totschlag und Mord
Besonders im Zusammenhang mit Gewalt gegen Frauen wird häufig von “Häuslicher Gewalt” oder “Partnergewalt” gesprochen. Diese bezieht sich auf Personen, die im selben Haushalt leben und/oder eine enge Beziehung zueinander haben. Häusliche Gewalt kann psychische, finanzielle, sexualisierte und körperliche Gewalt umfassen [4].
3: Nutze kostenlose Weiterbildungsangebote+
Gemeinsam mit der Initiative StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt haben wir folgende Webinare veranstaltet und aufgezeichnet:
Männer zeigen Zivilcourage
Gewalt an Frauen im Alter
4: Erinnere Medien an ihre Verantwortung
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Männliche Gewalt gegen Frauen wird von Medien nach wie vor verharmlost. Eine Vergewaltigung wird zur “Sex-Tat”, Stalking zum “Liebeswahn”, ein Femizid zu einem “Mord aus Liebe”. Das ist nicht nur reißerisch, sondern auch gefährlich. Das sind die Folgen von verharmlosender Berichterstattung:
- Täter-Opfer-Umkehr:
- Täter werden als Opfer dargestellt (z.B. “Influencerin getötet – Täter fühlt sich ‘schuldig und schäbig’” [5])
- Opfern wird die vermeintliche Schuld an einer Tat gegeben (z.B.: “Vater soll auf Tochter eingestochen haben, weil sie Freund hat” [6])
- Normalisieren von Gewalt in Beziehungen:
- Gewalt wird als “normaler” Teil von romantischen Beziehungen dargestellt (z.B. indem schwere Partnergewalt als “Beziehungsstreit” bezeichnet wird)
- Verhöhnen von Betroffenen:
- Taten werden aus Sensationslust bis ins kleinste Detail beschrieben
- Im Boulevard manchmal sogar mit Bildern vom Tatort, Opfer oder Täter – ohne Rücksicht darauf, was das mit Betroffenen und Hinterbliebenen macht
Wie Medien über Männergewalt an Frauen berichten, hat einen großen Einfluss darauf, wie wir in der Gesellschaft darüber sprechen. Fordere verantwortungsvolle Berichterstattung, wenn du verharmlosende Artikel in Medien siehst. Du kannst Chefredaktionen anschreiben, Leser_innenbriefe schreiben oder verantwortungslose Berichterstattung beim Presserat melden.

5: Lesen, hören, fernsehen: Bilde dich weiter+
Warum ist männliche Gewalt in unserer Gesellschaft so verwurzelt? Wo beginnt sie? Und: Was braucht es, um das Problem in den Griff zu bekommen? Sich solchen Fragen zu stellen, ist ein wichtiger Schritt, um das Problem männlicher Gewalt anzupacken. Deshalb haben wir dir unsere Lieblingsbücher, -podcasts und -filme zusammengestellt.
Bücher:
- Warum Feminismus gut für Männer ist von Jens van Tricht
- Stand Up: Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene von Julia Korbik
- Dramaqueen von Tara-Louise Wittwer
- No more Bullshit – das Handbuch gegen sexistische Stammtischweisheiten vom Frauennetzwerk Sorority
Podcasts:
- aufstehn-laut, Folge 20: Land der Berge, Land der Femizide mit Rechtsanwältin Sonja Aziz
- aufstehn-laut, Folge 29: Wieso es in Österreich so viele Femizide gibt mit Autorin Yvonne Widler
- Feminismus mit Vorsatz von und mit Laura Vorsatz
- Why we matter – das Ende der Unterdrückung von Emilia Roig (auch als Buch verfügbar)
- Feuer & Brot von Alice Hasters & Maximiliane Haecke
Filme/Serien/Dokus:
- Feminism WTF von Katharina Mückstein
- Ich werde dich TÖTEN – Formen häuslicher Gewalt (ARTE)
- Menschen & Mächte: Wenn Hass tötet. Gewalt gegen Frauen (ORF)
6: Unterzeichne weitere feministische Appelle+
Gewalt an Frauen zieht sich durch alle Ebenen der Gesellschaft – von vermeintlichen “Komplimenten” am Arbeitsplatz bis hin zu häuslicher Gewalt. Das liegt an den patriarchalen Strukturen in unserer Gesellschaft. Um Gewalt nachhaltig zu vermeiden, müssen wir am ganzen System arbeiten und Gleichstellung in allen Bereichen fordern. Diese Petitionen dazu kannst du unterschreiben:
- „Nur Ja Heißt Ja“ – Zustimmungsprinzip im Sexualstrafrecht JETZT
- Gewalt an Frauen stoppen!
- Wirksame Schutzzonen um Abtreibungseinrichtungen JETZT!
- Schützt Mütter und Kinder vor Gewalt nach der Trennung!
- Verbale sexuelle Belästigung stoppen
- Nein zur Streichung der verpflichtenden Hebammenberatung im e-Eltern-Kind-Pass
- #DiagnoseEndometriose: Nationaler Aktionsplan jetzt!

7: Mach andere darauf aufmerksam+
Je mehr Menschen darüber Bescheid wissen, desto besser können wir dagegen vorgehen. Deswegen sprich mit deinem Umfeld über männliche Gewalt an Frauen – oder mache in den sozialen Medien darauf aufmerksam und teile dieses Posting:
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Hilfsangebote für Täter und Betroffene von Gewalt
Niemand muss mit Gewalt alleine sein! Es gibt Hilfe – rund um die Uhr, anonym und kostenlos. Hier findest du wichtige Hotlines für Frauen und Männer:
- Die Frauenhelpline ist österreichweit, rund um die Uhr, gebührenfrei und vertraulich erreichbar: 0800 222 555.
- Beratung für Männer gibt es bei der Männerinfo: 0800 / 400 777
- Auch die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar.
- Wenn du akut von Gefahr betroffen bist: Ruf die Polizei unter 133!
*Anmerkung: Statistiken zu geschlechtsspezifischer Gewalt berücksichtigen größtenteils nur Frauen und Männer. Dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, wissen wir. Geschlechtsspezifische Gewalt betrifft nicht nur Frauen, sondern auch andere Personen, die als Frauen wahrgenommen werden.
Quellen:
[1] aoef.at: AÖF – Zahlen & Daten
[2] Gewaltinfo.at: Femizide und Gewalt gegen Frauen in Österreich
[3] wien.gv.at: Zivilcourage Schritt für Schritt bei Gewalt gegen Frauen“
[4] oesterreich.gv.at.: Formen von Gewalt an Frauen
[5] oe24.at: Influencerin getötet – Täter fühlt sich „schuldig und schäbig“
[6] derstandard.at: Vater soll auf 15-jährige Tochter eingestochen haben, weil sie einen Freund hat
