Hass im Netz: Was du gegen digitale Gewalt tun kannst

Beschimpfungen, Drohungen, sexistische Kommentare: Hass im Netz ist in Österreich nach wie vor ein Problem. Benachteiligte Gruppen, wie Frauen oder queere Menschen, werden dabei besonders häufig Opfer von Online-Gewalt. Hier erfährst du, was du dagegen tun kannst.

Achtung: In diesem Beitrag geht es um Gewalt.

Was ist „Hass im Netz“?

Ob Kommentare, Videos oder private Nachrichten: Von “Hass im Netz” spricht man, wenn Menschen andere online beleidigen, bedrohen oder diskriminieren. Das kann z.B. ein sexistisches Kommentar, ein rassistisches Video oder eine antisemitische Privatnachricht sein [1].

Für besseren Schutz vor Hasspostings, gibt es in Österreich seit 2021 zwar das „Hass-im-Netz-Bekämpfungsgesetz” [2] – Probleme mit Hasskommentaren im Internet gibt es aber nach wie vor:

  • 31 Prozent der Menschen in Österreich berichten von feindseligen oder erniedrigenden Inhalten im Internet [3].
  • 39 Prozent der Menschen in Österreich berichten von Hass auf Social Media [3].
  • Mehr als 80 Prozent (!) der Betroffenen sind Frauen [4].

Frauen sind außerdem besonders häufig von sexualisierter Gewalt betroffen. Dahinter steckt ein System – wie die österreichische Journalistin und Publizistin Ingrid Brodnig in ihrem Buch “Feindbild Frau” aufzeigt. Das Ende Februar 2026 erscheinende Sachbuch legt offen, wie Politikerinnen im Netz systematisch bedroht, beleidigt und verdrängt werden.


Solidarity Storm: #aufstehn gegen Hass im Netz

Schon im Jahr 2016 erzählten vier Journalistinnen von unzähligen Hassbotschaften und Gewaltdrohungen in sozialen Netzwerken – die sie täglich erhielten. Damit lenkten sie die Aufmerksamkeit auf ein großes gesellschaftliches Problem: Fast alle Frauen, die sich öffentlich äußern, sind von Online Hate Speech betroffen – besonders häufig von sexualisierter Gewalt [5].

Vor diesem Hintergrund starteten wir den #SolidarityStorm – eine Initiative, die sich gegen Hass und sexualisierte Gewalt im Netz einsetzt. Das Ziel:

  • Betroffenen den Rücken stärken
  • Zeigen, dass Hass und sexualisierte Gewalt nirgends Platz haben – auch nicht im digitalen Raum
  • Menschen informieren und verbinden
  • Praktische Hilfe anbieten

Dafür wurden unter anderem eine Website mit Hilfsangeboten für Betroffene, Textvorlagen zum Teilen auf Social Media, GIFs zum Antworten auf Hasskommentare und ein Profilbildgenerator erstellt.

Innerhalb weniger Tage schlossen sich über 15.000 Menschen dem #SolidarityStorm an, Medien berichteten und Prominente unterstützten die Aktion. Mehr Infos zum Solidarity Storm findest du in diesem Beitrag.

#solidaritystorm: Menschenmenge, die mit einer "STOP"-Geste ein Aus für Hass gegen Frauen im Netz symbolisiert.
Bei einem #aufstehn-Flashmob trafen sich über 100 Engagierte, um Content für die Erstellung von “Reaction GIFs” auf Hasspostings zu drehen.

„Mit dem #SolidarityStorm haben wir bewiesen: Wenn wir Betroffenen von Hassnachrichten zeigen, dass wir hinter ihnen stehen, ist das nicht nur ein wichtiges Signal der Unterstützung – sondern auch eine Botschaft an diejenigen, die unser Miteinander angreifen. Diese Gemeinschaftsbildung ist, in einer Zeit, in der autoritäre Kräfte versuchen, uns gegeneinander auszuspielen, entscheidend.“

– Maria Mayrhofer, Gründerin & Co-Geschäftsführerin #aufstehn


5 Dinge, die du gegen Hass im Netz tun kannst

Jemand aus deinem Umfeld ist von Hass im Netz betroffen? Oder du bist selbst Opfer von Cybermobbing? Das kannst du tun:

1. Dokumentieren

Um gegen die Täter_innen vorgehen zu können, ist genaues Dokumentieren wichtig: 

  • Mach Screenshots von Hass-Postings
  • Notiere Datum, Uhrzeit, Plattform, Link

2. Einschreiten 

Je nach Situation: 

  • Antworte auf öffentliche Hasskommentare
  • Blockiere Verfasser_innen von Hasskommentaren 
  • Schütze die eigenen Daten und Privatsphäre 

In manchen Fällen ist es besser, nicht zu reagieren und stattdessen Hilfe zu holen. 

3. Melden 

Du kannst Hasskommentare 

  • bei der Plattform melden 
  • an Beratungsstellen übermitteln 
  • bei der Polizei anzeigen 

Wichtig: Melden hilft, dass Inhalte entfernt und Täter_innen verfolgt werden. 

4. Für andere da sein 

Betroffene brauchen Unterstützung. Zeige ihnen, dass du zuhörst und ihre Erfahrung ernst nimmst. 

5. Hilfe holen

Andere Menschen können dich unterstützen und dir dabei helfen, einzuschätzen, was als nächstes zu tun ist:

  • Sprich mit einer Person, der du vertraust. 
  • Hol dir anonym bei dafür geschaffenen Stellen Hilfe 

Hass im Netz: Hier kannst du Hilfe holen

Beratungsstelle #GegenHassimNetz – Counteract
01 236 55 34
zara.or.at/de/beratung

Weisser Ring – Hilfe für Verbrechensopfer
Opfer-Notruf: 0800 112 112
www.weisser-ring.at

Rat auf Draht – Notruf für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen
147
www.rataufdraht.at


Hass im Netz ist nach wie vor ein großes Problem in Österreich. Besonders benachteiligte Gruppen – wie Frauen oder queere Menschen – zählen zu den Opfern von Online-Gewalt. Umso wichtiger ist es, dass wir uns gemeinsam gegen Hasskommentare einsetzen.

Was du sonst noch tun kannst:

Quellen:
[1] Saferinternet.at: Hass im Netz
[2] Bundesministerium für Justiz: Hass im Netz
[3] Statistik Austria, 24. Oktober 2023: One third notes hate speech online
[4] ÖGB, 1. Dezember 2023: Hass im Netz: Wenn Frauen online bedroht werden
[5] Falter, 14. Juni 2016: Uns reicht’s!

Viola unterstützt das Team im Bereich Marketing und Presse – und sorgt dafür, dass möglichst viele Menschen von unseren Aktionen erfahren. Sie hat Digital Media Management studiert und zuvor u.a. in einem Ministerium und einer Agentur gearbeitet.